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    Von Vibe-Coding zu Vibe-Working

    by Thomas Schwittlich | 26. Februar 2026 | KI-Strategie

    Von Vibe-Coding zu Vibe-Working:

    Warum KI jetzt die gesamte Arbeitswelt des Mittelstands verändert

     

    Anfang 2025 prägte Andrej Karpathy, ehemaliger KI-Chef bei Tesla und Mitgründer von OpenAI, einen Begriff, der die Tech-Welt im Sturm eroberte: Vibe Coding. Die Idee war bestechend einfach: Man beschreibt in natürlicher Sprache, was man haben möchte, und die KI schreibt den Code. Kein Programmieren mehr im klassischen Sinne – nur noch „Vibes“.
    Knapp ein Jahr später ist Vibe-Coding bereits Geschichte. Nicht, weil es gescheitert wäre – sondern weil es den Weg für etwas viel Größeres geebnet hat: Vibe-Working. Und diese Entwicklung betrifft nicht mehr nur Softwareentwickler, sondern jeden Wissensarbeiter in jedem Unternehmen – auch und gerade im deutschen Mittelstand.

    Von der Kommandozeile in den Büroalltag

    Vibe-Coding hat gezeigt, dass man mit der richtigen Anweisung an eine KI komplette Anwendungen erstellen kann, ohne eine einzige Zeile Code selbst zu schreiben. Werkzeuge wie Cursor, GitHub, Manus, Copilot, Replit, etc. und natürlich Claude Code haben Softwareentwicklung demokratisiert. Plötzlich konnten Fachexperten ohne Programmierkenntnisse funktionale Prototypen bauen.

    Doch die Grenzen wurden schnell sichtbar:

    Sicherheitslücken in fast der Hälfte des KI-generierten Codes, fehlende Architektur bei wachsender Komplexität, und die Erkenntnis, dass selbst Karpathy mittlerweile von einem strukturierteren Ansatz spricht. Er nennt ihn heute „Agentic Engineering“ – ein Hinweis darauf, dass die „Vibes“ allein nicht reichen.

    Die eigentliche Revolution passiert aber gerade woanders: Die gleiche Logik, die Vibe-Coding auf die Softwareentwicklung angewandt hat, wird nun auf die gesamte Büroarbeit übertragen. Microsoft, Anthropic und andere Tech-Giganten haben dafür einen neuen Begriff etabliert: Vibe-Working.

    Was ist Vibe-Working?
    Vibe-Working beschreibt eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI-Agent: Statt Dokumente, Tabellen und Präsentationen manuell Klick für Klick zu erstellen, beschreibt der Mitarbeiter sein Ziel in natürlicher Sprache. Die KI übernimmt die Umsetzung – inklusive Recherche, Strukturierung, Formatierung und iterativer Verbesserung.
    Sumit Chauhan, Corporate Vice President bei Microsoft, bringt es auf den Punkt: Vibe-Working sei das neue Muster für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Agent. Man beginne mit einem einfachen Prompt, arbeite dann iterativ und steuere ihn, während er mehrstufige Aufgaben orchestriert.

    Scott White, Head of Product bei Anthropic, formuliert es ähnlich: Claude habe sich von einem System, mit dem man eine kleine Aufgabe erledigen oder eine Antwort bekommen konnte, zu einem Werkzeug entwickelt, dem man echte, bedeutsame Arbeit übergeben könne.

    Die drei Säulen von Vibe-Working

    1. Agent Mode in Office-Anwendungen
    Microsoft hat mit dem Agent Mode in Excel, Word und bald PowerPoint die erste konkrete Umsetzung von Vibe-Working auf den Markt gebracht. In Excel wählt der Agent eigenständig Formeln, erstellt Tabellenblätter und baut Visualisierungen – alles basierend auf einer natürlichsprachlichen Beschreibung. In Word entsteht das, was Microsoft „Vibe-Writing“ nennt: ein interaktiver Dialog, in dem der Agent Inhalte entwirft, Rückfragen stellt und iterativ verfeinert.

    2. KI-Agenten als Arbeitspartner
    Der entscheidende Unterschied zu bisherigen KI-Assistenten: Vibe-Working setzt auf echte Agenten, die nicht nur reagieren, sondern aktiv handeln. Sie können gebrieft werden, arbeiten eigenständig mehrstufige Aufgaben ab und liefern erst dann Ergebnisse, wenn sie fertig sind. Der Mensch steuert und prüft – er führt nicht mehr jede einzelne Aktion selbst aus.

    3. Intent statt Instruktion
    Vibe-Working verschiebt den Fokus von der Ausführung zur Absicht. Statt zu sagen „Mache in Zelle B2 eine SVERWEIS-Formel“, sagt man „Analysiere meine Vertriebsdaten und zeige mir die wichtigsten Trends“. Die KI entscheidet selbst, welche Werkzeuge und Methoden sie einsetzt. Das ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel.
    Was bedeutet das für den deutschen Mittelstand?
    Für mittelständische Unternehmen (und nicht nur die) eröffnet Vibe-Working enorme Chancen, bringt aber auch klare Herausforderungen mit sich.

    Chancen

    Produktivitätssprung für Fachkräfte: Ingenieure, Vertriebsmitarbeiter und Qualitätsmanager können Berichte, Analysen und Präsentationen in einem Bruchteil der bisherigen Zeit erstellen.
    Demokratisierung von Expertise: Nicht jeder Mitarbeiter muss Excel-Profi sein, wenn ein KI-Agent die volle Leistungsfähigkeit der Software zugänglich macht.

    Fokus auf Wertschöpfung: Wenn Routinearbeit an Agenten delegiert wird, bleibt mehr Zeit für Innovation, Kundenbeziehungen und strategische Entscheidungen.

    Wettbewerbsfähigkeit: Frühzeitige Adoption von Vibe-Working kann zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal werden – gerade in einem internationalen Marktumfeld.
    Herausforderungen
    Qualitätskontrolle und Compliance: KI-generierte Dokumente müssen geprüft werden – besonders in regulierten Branchen wie der Medizintechnik. Der EU AI Act setzt hier klare Rahmenbedingungen.

    Veränderungsmanagement: Mitarbeiter müssen lernen, von Ausführenden zu Steuerern zu werden. Das erfordert neue Kompetenzen und eine veränderte Arbeitskultur.

    Datensicherheit: Wenn KI-Agenten auf Unternehmensdaten zugreifen, müssen Zugangskontrollen, Datenschutz und IT-Sicherheit auf einem neuen Niveau gedacht werden.
    Abhängigkeit vermeiden: Eine durchdachte KI-Strategie verhindert, dass Unternehmen in eine unkontrollierte Abhängigkeit von einzelnen Anbietern geraten.

    Die Evolution: Vibe-Coding → Agentic-Engineering → Vibe-Working
    Um die Tragweite dieser Entwicklung zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Chronologie:

    Die Entwicklung zeigt ein klares Muster: Was mit der Demokratisierung einer Spezialdisziplin begann, weitet sich nun auf die gesamte Wissensarbeit aus. Und die Geschwindigkeit dieser Transformation ist atemberaubend.

    Drei Handlungsempfehlungen für Mittelständler

    1. Jetzt experimentieren – strukturiert
    Identifizieren Sie konkrete Anwendungsfälle in Ihrem Unternehmen: Wo entstehen regelmäßig Berichte, Analysen oder Präsentationen? Starten Sie dort mit einem Pilotprojekt. Eine systematische KI-Potenzialanalyse hilft, die vielversprechendsten Einsatzfelder zu identifizieren – gerne mit uns, KI-Strategium, an Ihrer Seite.

    2. Mitarbeiter befähigen, nicht ersetzen
    Vibe-Working ersetzt keine Fachkompetenz – es verstärkt sie. Die besten Ergebnisse erzielen Mitarbeiter, die ihr Fachwissen mit der Fähigkeit kombinieren, KI-Agenten präzise zu steuern. Investieren Sie in Schulungen, die genau diese Brücke schlagen.

    3. Governance von Anfang an mitdenken
    Wenn KI-Agenten Dokumente erstellen, Daten analysieren und Entscheidungsvorlagen produzieren, brauchen Sie klare Regeln: Wer prüft die Ergebnisse? Welche Qualitätsstandards gelten? Wie wird die Einhaltung des EU AI Acts sichergestellt? Eine frühzeitig aufgesetzte KI-Governance schützt vor Risiken und schafft Vertrauen.

    Fazit: Die Zukunft gehört den Orchestratoren
    Vibe-Working ist kein Marketing-Buzzword – es beschreibt einen fundamentalen Wandel in der Art, wie wir arbeiten. Die Unternehmen, die heute beginnen, ihre Prozesse auf diese neue Mensch-Agent-Zusammenarbeit auszurichten, werden morgen die Nase vorn haben.
    Die Frage ist nicht mehr, ob sich Ihr Unternehmen auf Vibe-Working vorbereiten sollte. Die Frage ist, wie schnell Sie damit beginnen.
    Denn eines zeigt die Entwicklung von Vibe-Coding über Agentic Engineering zu Vibe-Working ganz deutlich: Die Geschwindigkeit des Wandels nimmt zu, nicht ab.

    Sie möchten wissen, wie Vibe-Working konkret in Ihrem Unternehmen aussehen kann?
    Als KI-Berater mit über 30 Jahren Industrieerfahrung begleite ich mittelständische Unternehmen dabei, KI systematisch und EU AI Act-konform zu implementieren – von der Potenzialanalyse bis zur konkreten Umsetzung.