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    Over-Engineering bei KI: Wenn Technologie Probleme löst, die es gar nicht, oder zumindest nicht in der Relevanz, gibt

    by Thomas Schwittlich | 17. Oktober 2025 | KI-Strategie

    In Bayern wurde kürzlich eine KI-basierte Spracherkennung für Notrufe eingeführt.
    Das System „Asgard“ soll helfen, wenn Anrufende kein Deutsch sprechen – es erkennt bis zu 400 Sprachen und soll so Sprachbarrieren überbrücken.

    Klingt nach Fortschritt.
    Aber, hier sollten wir genauer Hinsehen: Existiert das Problem, das hier gelöst werden soll, tatsächlich?


    🚨 Realität vs. Technologie-Euphorie

    In deutschen Leitstellen funktioniert die Notrufortung heute bereits automatisch.
    Dank Advanced Mobile Location (AML) wissen Disponenten in der Regel schon beim Eingehen des Anrufs, wo sich die Person befindet.
    Selbst ohne Kommunikation kann also schnell Hilfe losgeschickt werden.

    Und wenn Sprachprobleme tatsächlich auftreten?
    Dann werden menschliche Dolmetscher zugeschaltet – manuell, selten, aber zuverlässig.
    Denn in der Praxis sprechen die meisten Anrufenden Deutsch, Englisch oder (und das ist hier wichtig) lassen sich von jemandem helfen, der es kann.

    Der Anteil an echten Fremdsprachen-Notrufen liegt laut erfahrenen Feuerwehrleuten im Promillebereich.

    Der eigentliche Punkt

    Wenn also eine KI-Lösung für ein statistisch kaum existentes Szenario entwickelt wird, ist das kein Fortschritt – sondern Over-Engineering.
    Eine technologisch beeindruckende Antwort auf eine kaum gestellte Frage.

    Gleichzeitig bleiben reale Probleme ungelöst:

    • Personalmangel in den Leitstellen

    • Überlastung im Rettungsdienst

    • fehlende Digitalisierung bei der Einsatzsteuerung

    Doch statt dort anzusetzen, investieren Kommunen in Systeme, die vor allem eines tun: Innovation sichtbar machen.

    Meine Einschätzung

    Als jemand, der täglich mit KI-Projekten arbeitet, sehe ich hier ein klassisches Muster:
    Technologie wird nicht als Werkzeug verstanden – sondern als Bühne.

    Das führt zu Projekten, die gut aussehen, aber kaum Wirkung entfalten.
    Wir nennen das Over-Engineering:
    Wenn die Lösung komplexer, teurer und technischer ist, als das Problem selbst es verlangt. Hinzu kommt, es handelt sich hier klar um ein Hochrisikobereich (lt. EU-AI-Act). Was, wenn eine Übersetzung falsch verstanden oder durch die KI- anders interpretiert wird (z.B. „der Patient atmet“ oder „der Patient atmet nicht“), die Folgen könnten zwischen Leben und Tod entscheiden – wer trägt dann die Verantwortung? Mehr zu diesem Thema auch hier: www.ai-regulierung.eu


    Fazit

    Echte Innovation entsteht nicht durch maximale Technologie –
    sondern durch gezielte, sinnvolle Anwendung.

    KI ist mächtig.
    Aber sie sollte reale Engpässe lösen, nicht symbolische.
    Sonst bleibt am Ende nur das Gefühl, etwas Modernes getan zu haben –
    ohne dass sich tatsächlich etwas verbessert hat.